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Forum > Business & Job > SVA, WKO , Steuer etc. > neue Pensionsregelung ab 1.1.2015 - große Einbußen bei Frauen mit Kinderauszeit bzw.-Teilzeit
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Redaktion-BM ist offline Redaktion-BM  neue Pensionsregelung ab 1.1.2015 - große Einbußen bei Frauen mit Kinderauszeit bzw.-Teilzeit Antworten Zitatantwort Einzelbeitrag drucken Dieses Thema weiterempfehlen
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13.11.2014 - 12:00 Uhr
562 Posts
Hardcoreposterin


Seit 5 Monaten habe ich einiges recherchiert zur neuen Pensionsregelung.

Die Zuschriften von ca. 30 Business-Mamas zu meiner Frage nach ihren Pensionskonten-Zuschriften waren wenig ermutigend.
Alle haben deutlich niedrigere Werte als es ihre Verdienste aus vorfamiliären Zeiten vermuten lassen oder in Relation zu den Arbeitsjahren, die sie bereits hinter sich haben.

Es kann nicht sein, dass die so wichtige betreuende und pflegende Lebenszeit, die sich viele Frauen und manche Männer für ihre Familien nehmen und die sowieso finanzielle Einbußen bedeutet, im Alter mit Armut bestraft wird.


Hier meine Zusammenfassung zur aktuellen Lage:

Positive Aspekte:


Es kann kein/e ÖsterreicherIn verhungern, wenn sie alleine ist: sie kann Mindestsicherung oder Mindestpension in Anspruch nehmen, wenn sie keine Mittel mehr hat.

Die Mindestanzahl der Versicherungsjahre für einen Pensionsanspruch bleibt gleich:
15 Jahre.

Anrechnung der Kindererziehungszeiten: 4 Jahre pro Kind mit einem Durchschnittssatz. Wenn das nächste Kind früher geboren wird, dann Reduktion der Jahre ab der Geburt des nächsten Kindes. Wenn der hps. erziehende Elternteil früher als 4 Jahre arbeiten geht, wird die Bemessungsgrundlage aufaddiert.

Alle Pensionen werden harmonisiert: Selbständige, Angestellte, Arbeiter und Beamte (die mit etwas Verzögerung).
Mindestpension ist derzeit (2014) rund 811.- netto, Höchstpension rund 2200.- netto.
Die Schere ist bei der staatlichen Pension nicht so stark wie die Einkommen.
Außer bei bereits bestehenden Pensionen.


Negative Aspekte:

Das neue Pensionssystem gilt für alle Jahrgänge ab 1955.
Für Frauen ab kommenden Jahr, die also ab 1.1.2015 60 Jahre alt werden.
Für Männer ab 1.1.2020, wenn die ersten Jahrgänge mit 65 in Pension gehen.

Ab da gibt es deutlich weniger Pension als in der Übergangsregelung mit dem alten Pensionssystem (mit Deckelung des Verlustes) in den Jahren davor.

Bei den Frauen wird von Jahrgang 1963 bis 1968 das Pensionsantrittsalter schrittweise pro Halbjahr um ein halbes Jahr angehoben.
Ab Jahrgang Juni 1968 gehen alle Frauen mit 65 in Pension.

Das gleiche Antrittsalter ist zwar gerecht, da aber die Einkommen von Frauen nach wie vor deutlich niedriger sind, wird die Pension auch deutlich niedriger als sie eh schon ist, was wieder gar nicht gerecht ist!

Alle alten Varianten, früher in Pension zu gehen, wurden gestrichen, gekürzt oder die Pension wird mit Abschlägen gekürzt.

Was sich fatal auswirkt, ist die Anhebung des Durchrechnungszeitraumes.
Bis 2003 wurde die Pension aus den besten 15 Arbeitsjahren errechnet.

Seit 2003 wird der Zeitraum jedes Jahr um 1 Jahr hinaufgesetzt bis 2028 40 Jahre erreicht sind. Dann errechnet sich die Pension aus dem Durchschnitt dieser 40 Jahre bzw. um die Jahre vermindert, die man weniger gearbeitet hat auf Grund von Studium oder Kindererziehung.
Bei Pensionsbeginn mit 2015 sind das die besten 27 Jahre, 2016, die besten 28 Jahre, 2020 die besten 32 Jahre usw.
Ab Jahrgang 1968 gelten dann für alle 40 Jahre (=Lebens-) Durchrechnungszeitraum.

Das Problem dabei:

Menschen mit Unterbrechungen oder Kürzungen im Arbeitsleben durch Familienarbeit, Teilzeit oder Pflege von Alten oder Kranken werden dadurch deutlich schlechter gestellt.

Ebenso Menschen mit vielen Arbeitsjahren in schlecht bezahlten Berufen (pflegende und betreuende Berufe, Verkauf, Gastronomie).

Oder Menschen in der Selbständigkeit, freiwillig oder unfreiwillig selbständig, weil sich der Arbeitsmarkt drastisch verändert, mit teils geringem Einkommen wegen Betreuungspflichten, chronischen oder schweren Erkrankungen oder Umsatzeinbußen wegen schlechter Wirtschaftslage.

Bei vielen derzeit 40- bis 60-jährigen Frauen kommt dadurch nicht einmal der Wert der Mindestpension zustande, obwohl sie 30 Jahre oder mehr Versicherungsjahre haben bis zur Pension und ein oder mehrere Kinder großgezogen haben!
Eine Schande für das österreichische Sozialsystem!


Relevante Links zum neuen Pensionssystem:

http://www.neuespensionskonto.at/

https://www.help.gv.at/neues Pensionssystem

http://www.pensionsversicherung.at/neues Pensionskonto

http://pensionsrechner.arbeiterkammer.at/
______________________________________________________________________________________________________________


Soweit so schlecht für alle neuen PensionistInnen.
An dem 2003 geänderten Pensionssystem bruchstückhaft herumzudoktern bringt in meinen Augen wenig.

Eine einfache Lösung ist, die staatliche Pension mit einem Durchschnittswert von rund 1500.- EUR netto (derzeit rund 800.- netto = Mindestpension, rund 2200.- netto = Höchstpension) an alle Personen ab 65 auszuzahlen, also eine Summe, von der jede/r im Alter leben kann.

Damit entfallen komplizierte Berechnungen und viel Verwaltungsarbeit.
Das Pensionsantrittsalter weiter anzuheben, macht keinen Sinn, da schon jetzt die jungen Menschen schwierige Arbeitsbedingungen vorfinden.

Ein weiterer wichtiger und längst überfälliger Schritt besteht darin, die Wochenarbeitszeit zu senken, damit die vorhandene Arbeit auf mehr Menschen verteilt wird.

Und last, but not least, ist es dringend notwendig, nicht die Arbeitskraft der Menschen, sondern den Ressourcen- und Energieverbrauch und den Konsum zu besteuern.

Meine bevorzugte Zukunftsvision ist das bedingungslose Grundeinkommen, zu dem einige Organisationen in der Schweiz, Deutschland und Österreich sowohl Aufklärungsarbeit als auch Berechnungsmodelle entwickelt haben.
Es würde einige wirtschaftliche und gesellschaftliche Problembereiche auflösen und unsere Überflussgesellschaft vom Mangeldenken befreien (so absurd das auch klingen mag).

Jedenfalls sind wir alle aufgefordert, uns Gedanken zu machen, wie sich unsere Gesellschaft, unsere Welt in eine lebenswerte Zukunft entwickeln kann/soll.
Für ein gutes Miteinander auf der ganzen Welt braucht es viele gute Ideen, viele Tatkräftige und ein neues Miteinander!

Mit herzlichen Grüßen
Gabriele König, Redaktion Business-Mamas



Weiterführende Links:
http://www.grundeinkommen.at/
http://www.pro-grundeinkommen.at/
https://www.mein-grundeinkommen.de/start
http://bedingungslos.ch/
https://www.grundeinkommen.de/
http://www.basicincomeinitiative.eu/



Redaktion Business-Mamas
www.business-mamas.at

rosella ist offline rosella  Re: neue Pensionsregelung ab 1.1.2015 - große Einbußen bei Frauen mit Kinderauszeit bzw.-Teilzeit Antworten Zitatantwort Einzelbeitrag drucken Dieses Thema weiterempfehlen
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22.11.2014 - 21:11 Uhr
73 Posts
Fingerwundschreiberin


Verdammt.. ich bin letztens irgendwo im Internet über eine Grafik zu geschlechtsabhängigen Ungerechtigkeiten in Europa gestoßen.
Österreich war, wen wundert es, eher bei den Schlusslichternn

Vor allem: wenn man seine Kinder früh (was auch perspektivenabhängig ist) fremdbetreuen lässt, dann wird man auch angeschaut, als wäre man die ärgste Rabenmutter..

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